Fetziger als das Original

Marxheim - Auf dem Fabrikgelände sind schon von weitem die wummernden Bässe zu hören. Steigt man die Außentreppe an der alten Fabrikhalle empor, wird der rockige Sound eindeutiger. Im Probenraum angekommen wackeln die Wände und unter Tarnnetzen an der Decke drohen die Colaflaschen von der Theke zu hüpfen. Sind Deep Purple oder Black Sabbath wieder unter uns? Wohl kaum, denn wer hier Musik macht, sind die "Bubbles". Die fünfköpfige Live- und Coverband feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag. Wer sie von Festen wie dem Wäldchestag in Hofheim als Interpreten der Bubble-Gum Musik, deren blubbernder Sound der Band den Namen gab, und Songs wie "Jenny Jenny" der späten 60er Jahre kennt, wird heute feststellen, dass die Band ihr Repertoire inzwischen beträchtlich erweitert hat.
Den Namen aus ihren Anfängen haben sie behalten, doch die fünf haben sich weiterentwickelt und ihr Programm dem Zeitgeist angepasst. "Wir haben für jede Altersgruppe etwas an Hits und Oldies dabei. Vom Rock'n'Roll der 60er bis zu den Songs der 80er und 90er spielen wir so ziemlich alle Musikstile" erzählt Basser Bernhard (Berny) Roth. "Unsere Fans sind der Meinung, wir sind fetziger als das Original", wenn wir die Rock-Klassiker wie "Smoke on the Water" oder die Hits von BonJovi spielen. Bleibt Bernhard Roth neben den Proben seiner Steuerberatertätigkeit noch Zeit, baut und bastelt er leidenschaftlich gerne Gitarren.
Für die Songs der Rockband U2 oder die bekannten "Mitgröler" aus der Neuen Deutschen Welle ist der neue Sänger Tom Hörner, der seit zwei Jahren zu den "Bubbles" gehört aufgrund seiner Stimme geradezu prädestiniert. Wir freuen uns, wenn das Publikum begeistert mitsingt." Ob es die "Rosi" aus dem Sperrbezirk oder der Schampus an der Bar der "Schickeria" ist, der gebürtige Franke ist genau der richtige Interpret. Im zivilen Leben ist er Mikrobiologe. Ein neuartiges Toilettenpapier, derzeit vermarktet durch einen knuffigen Brummbär, ist unter seiner Regie entwickelt worden. (Artverwandtschaft ist hier nicht ausgeschlossen.)
Einen fünfstündigen Live-Auftritt mit Sound zu erfüllen, ist für die Bubbies kein Problem. "Wir können aus einem Repertoire von über 100 Liedem schöpfen , sagt Uwe Scholz. Der für Objektschutz zuständige Wachpolizist ist Drummer der Band. "Am meisten Spaß haben wir, wenn richtig abgetanzt wird vor der Bühne", finden Keyboarder Fredy Großmann und Gitarrist Thomas Ziegler. "Wir sind eben eine richtige Live-Band, so nebenbei ist bei uns nicht drin."
Wenn sie gerade keine Musik machen, baut Ingenieur Thomas Ziegler Autos, während der EDV-Berater Fredy Großmann zur Zeit auf Stellensuche ist. Unterstützt werden die fünf Jungs aus Marxheim und Kriftel von Matthias Gall, der für den richtigen Sound sorgt, und von Andreas Nix, der für die Lichteffekte zuständig ist.
Mehr Infos und Demos zum Reinhören sind im Internet zu finden. Wer Lust hat, die fünf Bubbles demnächst live zu erleben, hat beim "Rock in den Mai" am 30. April bei der Krifteler Feuerwehr Gelegenheit dazu.
Heidi Werkmann
presse1

Gute Stimmung bis der Regen kam

Schwalbach - Der Sänger verausgabt sich. Er steigt sogar auf eine Bank, wozu ein scharfes Auge gehört. Denn Platz gibt es kaum noch. Vielleicht schrecken die Besucher vor der Aufmachung der Rockröhre zurück. Die Leute sitzen rund um den Brunnen auf dem unteren Marktplatz. Sie essen, trinken und plauschen, plauschen... Der Sänger hat einen selten ausgeprägten Sinn für Unkleidsames. Alleine das Hemd: einfach großartig. Das putzige, Bauch betonende Stück hat irgendwie gar kein Muster, erinnert dennoch gleichermaßen an Kuhhautflecken und an Zebrastreifen. Der Kragen sieht aus, als wäre er mit einer Steinkanone des 18.Jahrhunderts reingeschossen worden. Dazu trägt der gute Mann einen blindmachenden Kettengurtel aus Messing. Damit wird er aber keineswegs zum Kinderschreck. Ein Bub, so um die vier Jahre, wird unter Protest — "Nein!!!" — von der Frau Mama entfernt. Dazu noch der Hinweis — kleine Buben schätzen das kaum als Argument: "Es ist viertel vor neun!" Auch wer sich nicht vom Outfit irritieren ließ und hinhörte, nahm wahr: "The Bubbles" ist eine Cover-Band von sehr hörenswertem Format. Eigenartig deshalb, warum die Stimmung zwar gut, aber nicht richtig bärig gewesen.

Das Rätsel löste sich nach der Pause. Die Leute haben auf die echten Hits der Formation gewartet, und das sind Neue-Deutsche-Welle-Lieder wie "Skandal im Sperrbezirk", "Ich will Spaß" oder den Petry-Song ,,Wahnsinn . Also deutsche Titel. Da liefen The Bubbles richtig zur Hochform auf. Verzückt stimmten die Besucher in die Refrains ein und es fing inmitten der Betonblocks an zu brodeln. Kaum einer sichtete die schwarz-grauen Wolken, die allmählich übers Rathaus krochen. Sie hingen noch eine Weile tatenlos überm Marktplatz, um sich dann machtvoll zu entladen. Es goss in Strömen.

Die Musiker hatten vorgesorgt und schon von Anfang an auf allem Wasserscheuen blaue Müllsackspitzenhäubchen. Die konnten dann als Schutzmantel einfach über Lautsprecherboxen und anderes Gerät gezogen werden. Das Publikum flüchtete Hals über Kopf. Zum Trost: Der Regen war bitternötig.

Übrigens: "The Bubbles" ist eine Formation, die musikalisch mehr als Mittelmaß ist und die Leute prachtvoll unterhalten kann. Gesangsbeiträge gab es gleich von mehreren Bandmitgliedern, die für spezielle Titel stilsicher eingesetzt wurden. Hier noch "The Bubbles" im einzelnen: Thomas Ziegler (Gitarre, Gesang), Bernhard Roth (Bass), Tom Hörner (Gesang), Uwe Scholz (Gesang, Drums) und Fredy Großmann (Gesang, Keyboards).

Alle Hände voll zu tun hatte der Verein Dallesmädchen und - buben, die für Essen und Trinken zuständig waren. Groß war der Andrang, flott der Service, was insgesamt gut für die Vereinskasse ist. Somit war auch dieser ,,Sommertreff‘ eine kugelrund gelungene Sache. Beim nächsten Sommertreff - am Donnerstag, 31. Juli, 18 Uhr - ist die "Blue Stars & Diane Tanzband" zu Gast und präsentiert Rock, Pop, Oldies. Die Bewirtung übernimmt der Schwimmclub Schwalbach. Der Eintritt ist wie gehabt frei.

presse6